Warum Oldtimer-Strahlen Spezialwissen braucht
Moderne Karosserien bestehen aus 1,0 bis 1,5 mm Tiefziehblech mit Beschichtung. Oldtimer dagegen wurden mit dünnerem Stahl und ohne galvanischen Schutz gefertigt. Jahrzehntelange Korrosion hat die Materialdicke weiter reduziert. Wer hier mit Standardkörnung und 6 bar Druck strahlt, schlägt Löcher und erzeugt Wellen, die nur mit aufwendiger Karosseriearbeit wieder ausgeglichen werden können.
Strahlen mit Kupferschlacke ist trotzdem die richtige Methode, weil chemisches Abbeizen Hohlräume nicht erreicht und Schleifen Versteifungssicken und Profile nicht erfasst. Der Schlüssel ist die richtige Kombination aus Körnung, Druck, Düsenabstand und Strahlwinkel.
Bauteilbezogene Richtwerte aus der Praxis
| Bauteil | Körnung | Druck | Düsenabstand |
|---|---|---|---|
| Karosserieblech, Kotflügel, Türen | 0,2–0,5 mm | 1,5–3 bar | 25–35 cm |
| Bodenblech, Längsträger | 0,2–0,8 mm | 3–5 bar | 20–30 cm |
| Rahmen, Hilfsrahmen | 0,2–0,8 mm | 4–6 bar | 20–25 cm |
| Achsen, Achsschenkel | 0,5–1,4 mm | 5–7 bar | 15–25 cm |
| Motorblock, Getriebegehäuse | 0,2–0,8 mm | 3–5 bar | 20–30 cm |
| Felgen Stahl | 0,5–1,4 mm | 5–7 bar | 20–25 cm |
Schritt für Schritt – Erfahrungswerte aus der Praxis
- Komplettzerlegung: Anbauteile, Glas, Dichtungen, Innenraum demontieren. Alle Hohlräume offenlegen.
- Substanz dokumentieren: Vor dem Strahlen Bestandsfotos und Maße der dünnen Bereiche aufnehmen.
- Körnung und Druck wählen: Erfahrungsgemäß bei Karosserie mit 0,2–0,5 mm und niedrigem Druck (rund 1,5 bar als Startwert) beginnen und anschließend behutsam anpassen.
- Strahlen in Bahnen: Üblich sind 25–35 cm Düsenabstand und 45–60° Winkel bei gleichmäßiger Bewegung ohne Verweilen.
- Schweißnähte schonen: Original-Punktschweißnähte nicht durchschlagen – Düse von der Schweißlinie wegführen.
- Zeitnah konservieren: Erfahrungsgemäß innerhalb weniger Stunden Schweißprimer oder 2K-EP-Grundierung auftragen.
- Hohlraumschutz: Nach Lackierung Hohlraumwachs oder -fett über vorhandene Bohrungen einbringen.
Verbrauch pro Fahrzeug
| Fahrzeugklasse | Strahlmittel gesamt | Säcke à 25 kg |
|---|---|---|
| Kleinwagen / Käfer-Klasse | 150–250 kg | 6–10 |
| Limousine | 200–400 kg | 8–16 |
| Coupé / Cabriolet | 180–350 kg | 7–14 |
| Geländewagen / Pickup | 400–700 kg | 16–28 |
Häufige Fehler bei der Oldtimer-Restaurierung
- Zu grobe Körnung – kann dünne Bleche durchschlagen und sichtbare Strahlspuren hinterlassen.
- Zu hoher Druck – kann Wellen und Verformungen verursachen, die später ausgespachtelt werden müssen.
- Verweilen an einer Stelle – kann lokale Materialschwächung und sichtbare Vertiefungen erzeugen.
- Verzögerte Grundierung – Reoxidation mit Flugrost kann den erreichten Reinheitsgrad reduzieren.
- Hohlräume vergessen – Korrosion kann unter dem neuen Lack weiter fortschreiten.
Sicherheit und Materialverhalten
Kupferschlacke nach DIN EN ISO 11126-3 ist silikosefrei, Härte 6–7 Mohs, scharfkantig, mineralisch. Pflichtausrüstung: Strahlhelm mit Frischluftzufuhr, Schutzanzug, Handschuhe, Sicherheitsschuhe. Quarzsand ist nach TRGS 559 verboten.