Warum Strahlen für LKW-Korrosionsschutz?
Nutzfahrzeuge sind ständig Salz, Feuchtigkeit, Streusplitt und mechanischer Belastung ausgesetzt. Insbesondere Längsträger, Kreuzträger und Achsbrücken zeigen nach wenigen Wintern Korrosion am Unterboden. Mechanisches Schleifen erreicht Profile und Hohlräume nicht zuverlässig, chemisches Abbeizen bleibt in Spalten zurück. Strahlen mit Kupferschlacke entfernt Altlack, Flugrost und Tiefenrost in einem Arbeitsgang und legt eine gleichmäßige, mineralische Oberfläche frei – die Voraussetzung für eine nachhaltige Korrosionsschutzbeschichtung mit 2K-EP-, Zinkprimer- oder Pulverlacksystemen.
Kupferschlacke nach DIN EN ISO 11126-3 ist scharfkantig, Härte 6–7 Mohs, silikosefrei (unter ein Prozent freie Kieselsäure) und hinterlässt keine Eisenrückstände, die später Pittingbildung an Aufliegern oder Tankaufbauten verursachen könnten. Quarzsand ist nach TRGS 559 in Deutschland verboten.
Bauteilbezogene Richtwerte aus der Praxis
| Bauteil | Körnung | Druck | Ankerprofil Ra |
|---|---|---|---|
| Längsträger, Rahmen | 0,5–1,4 mm | 6–8 bar | 10–14 µm |
| Achsbrücken, Federböcke | 0,5–2,0 mm | 7–9 bar | 14–20 µm |
| Kotflügel, Stoßfänger (Stahl) | 0,2–0,8 mm | 4–6 bar | 6–10 µm |
| Fahrerhaus-Karosserie | 0,2–0,5 mm | 3–5 bar | 4–8 µm |
| Containeraufbau, Plattform | 0,5–1,4 mm | 6–8 bar | 10–14 µm |
| Anhänger-/Aufliegerrahmen | 1,0–1,4 mm | 7–9 bar | 12–18 µm |
| Stahlfelgen, Bremstrommeln | 0,5–1,4 mm | 6–8 bar | 10–14 µm |
Aluminium-Aufbauten: Materialhinweis
Viele moderne Aufbauten – insbesondere Kofferaufbauten, Tanks und Pritschen – bestehen aus Aluminium. Aluminium sollte nicht mit eisenhaltigen Strahlmitteln behandelt werden, da Eisenrückstände Kontaktkorrosion auslösen können. Für Aluminium werden in der Regel nichteisenhaltige Strahlmittel wie Korund oder Glasperlen bevorzugt. Die Eignung ist im Einzelfall mit dem Aufbauhersteller und dem Beschichtungssystem abzustimmen.
Verbrauch pro Fahrzeug
| Fahrzeugklasse | Strahlmittel gesamt | Säcke à 25 kg |
|---|---|---|
| 7,5-Tonner-Fahrgestell | 400–700 kg | 16–28 |
| 12-Tonner-Sattelzugmaschine | 600–1000 kg | 24–40 |
| Schwerer LKW 26–40 t | 800–1500 kg | 32–60 |
| Sattelauflieger / Anhänger | 500–1000 kg | 20–40 |
| Kompletter Lastzug 40 t | 1000–1800 kg | 40–72 |
Schritt für Schritt – Vorgehen aus der Praxis
- Demontage und Vorreinigung: Anbauteile entfernen, Hohlräume offenlegen, Fahrzeug mit Hochdruck reinigen und vollständig trocknen.
- Strahlbereiche festlegen: Tragende Bauteile, Karosserieteile und Anbaukomponenten getrennt bearbeiten – jedes mit angepasster Körnung und angepasstem Druck.
- Empfindliche Bereiche schützen: Bremsleitungen, Kabelbäume, Pneumatik, Lager und Dichtflächen abdecken.
- Strahlen in Bahnen: 20–30 cm Düsenabstand, 45–60° Strahlwinkel, gleichmäßige Bewegung. Zu langes Verweilen kann Materialschwächung verursachen.
- Reinheitsgrad prüfen: Sa 2,5 nach DIN EN ISO 8501-1 ist für Korrosionsschutzsysteme in der Praxis üblicher Zielwert (Richtwert).
- Zeitnah grundieren: Innerhalb weniger Stunden 2K-EP-Grundierung oder Zinkprimer auftragen, um Flugrost zu vermeiden.
- Hohlraumschutz: Nach Decklackierung Hohlraumwachs in Längs- und Kreuzträger einbringen.
Mengen und Lieferung an Speditionen
Erfahrungswerte: LKW-Werkstatt mit eigener Strahlkabine ca. 500–2000 kg/Monat, Spedition mit eigener Aufarbeitung 1000–4000 kg/Monat (Richtwerte). Lieferung erfolgt im 25-kg-Sack ab Lager Prebitz, DHL versandkostenfrei in alle deutschen Postleitzahlen. Für regelmäßige Großabnahme und Palettenlieferung nehmen wir Anfragen per E-Mail oder Telefon entgegen.
Sicherheit und Vorschriften
LKW-Werkstätten müssen TRGS 559 (Quarzhaltige Stäube), DGUV-Regel 100-500 (Betreiben von Arbeitsmitteln) und DGUV-Information 209-053 einhalten. Pflichtausrüstung: Strahlhelm mit Frischluftzufuhr, Schutzanzug, Schutzhandschuhe, Sicherheitsschuhe, Gehörschutz. Strahlarbeiten sind nur in zugelassenen Strahlkabinen oder Strahlräumen mit geeigneter Absaugung zulässig. Verbrauchtes, reines Strahlmittel: Abfallschlüssel 12 01 21 (nicht gefährlich); mit Lackrückständen 12 01 16 oder bei Schwermetalllacken 12 01 14. Weitere Hinweise unter BAuA und Wikipedia: Kupferschlacke.