Kurz erklärt: Auswahl und Bestellung
Fahrrad strahlen: Stahlrahmen und Stahlgabeln mit Kupferschlacke 0,2–0,5 mm (sehr dünne Rohre 0,1–0,4 mm), 3-mm-Düse, niedriger Druck, flacher Winkel; Aluminium- und Carbonrahmen nicht mit Kupferschlacke strahlen.
- Vorher ausbauen und abdecken: Tretlager- und Steuersatzschalen, Gewinde im Tretlager, Lagersitze im Steuerrohr, Innenseite des Sitzrohrs, Ausfallenden-Gewinde, Bremsaufnahmen – und die Rahmennummer, die beim Strahlen nicht abgetragen werden darf.
- Materialbedarf grob: Ein Rahmen mit Gabel hat rund 0,3–0,4 m² Oberfläche; im Freistrahlen nach Herstellertabellen (40–58 kg je m² Schlacke auf Stahl) also 12–23 kg, in einer Strahlkabine mit Rückführung reicht eine Packung mit 5 oder 10 kg für mehrere Rahmen.
Kupferschlacke ist ein scharfkantiges Einwegstrahlmittel (Mohs 6–7, Dichte 2,9 g/cm³, laut technischem Datenblatt höchstens 1 % freie kristalline Kieselsäure). Für Stahlrahmen und Stahlgabeln ist 0,2–0,5 mm die richtige Körnung, für sehr dünne Rohre und Muffen 0,1–0,4 mm. Für Aluminium ist Kupferschlacke laut Datenblatt nicht gedacht, wenn Eisenkontamination vermieden werden muss – eingeschlagene Eisenpartikel werden unter dem neuen Lack zu Rostpunkten; Carbon würde das Korn zerstören. Für einen Rahmen mit Gabel reichen je nach Verfahren 5 bis 25 kg: 5 kg 12,99 €, 10 kg 14,99 €, 15 kg 17,99 €, 25 kg 21,49 €, DHL-Versand innerhalb Deutschlands inklusive.
Fahrradrahmen strahlen: Stahl ja, Aluminium und Carbon nein
Stahlrahmen aus Hi-Ten- oder Chrom-Molybdän-Stahl – klassische Rennräder, Randonneure, Reiseräder, Stadträder, BMX und alte Mountainbikes – lassen sich strahlen. Das Korn holt Lack, Rost und Altpulver aus Muffen, Rohrübergängen und Hinterbaustreben, wo Schleifpapier und Abbeizer nur mühsam hinkommen. Aluminiumrahmen sind kein Fall für Kupferschlacke: Laut Datenblatt ist sie für Aluminium nicht gedacht, wenn Eisenkontamination vermieden werden muss, und das weiche Metall verliert schnell Wandstärke. Carbonrahmen werden gar nicht gestrahlt – das Korn trägt Harz und Fasern ab. Titanrahmen werden meist nur gebürstet oder mit Glasperlen behandelt. Wer nicht weiß, woraus der Rahmen ist: Ein Magnet haftet an Stahl, nicht an Aluminium, Titan oder Carbon.
Vorbereitung ist alles: das Rad richtig zerlegen
Gestrahlt wird nur der nackte Rahmen und die Gabel. Alles andere kommt ab: Laufräder, Antrieb, Kurbeln, Tretlager, Steuersatz mit Lagerschalen, Sattelstütze, Bremsen, Züge, Schaltaugen aus Aluminium und Aufkleber-Reste. Danach wird abgedeckt: Tretlagergewinde mit alten Lagerschalen oder Silikonstopfen, Steuerrohr innen mit passenden Stopfen, Sitzrohr innen mit einem Korken oder Klebeband, Gewinde an Ausfallenden, Flaschenhalter- und Gepäckträgerösen mit Schrauben. Besonders wichtig: die Rahmennummer, meist unter dem Tretlager eingeschlagen. Sie wird mit mehreren Lagen starkem Klebeband abgedeckt, damit sie lesbar bleibt – sie ist für Eigentumsnachweis und Versicherung nötig. Fett und Öl werden vorher mit Entfetter entfernt.
Körnung, Düse und Druck für dünnwandige Rohre
Fahrradrohre sind dünn, bei leichten Stahlrahmen oft unter einem Millimeter Wandstärke in der Rohrmitte. Deshalb gilt: feine Körnung 0,2–0,5 mm, bei sehr leichten Rohren und filigranen Muffen 0,1–0,4 mm, 3-mm-Düse beziehungsweise 2-mm-Düse, Druck mit 3 bis 4 bar beginnen und nur so weit erhöhen, bis der Lack sauber abgeht. Der Strahl bleibt in Bewegung, der Winkel flach, auf eine Stelle wird nicht gehalten. Eine 3-mm-Düse braucht bei 6 bar etwa 0,5 m³ Luft pro Minute (Herstellertabelle Schmidt Sandstrahltechnik, Hintergrundwissen 2026), bei geringerem Druck weniger – ein mittlerer Werkstattkompressor reicht. Muffen, Lötstellen und Ausfallenden zuerst, dann die Rohre in ruhigen Bahnen; Probefläche an der Innenseite einer Kettenstrebe.
Wie viel Strahlmittel ein Fahrradrahmen braucht
Grob überschlagen hat ein Fahrradrahmen mit Gabel rund 0,3 bis 0,4 m² Oberfläche. Herstellertabellen nennen für Schlacke auf Stahl im Freistrahlen mit 6-mm-Düse 40 kg je m² bis Reinheitsgrad Sa 2 und 58 kg je m² bis Sa 2½ (Schmidt Sandstrahltechnik, Hintergrundwissen 2026); mit der feinen 3-mm-Düse fließt weniger Korn, der Verbrauch liegt eher am unteren Rand. Für einen Rahmen mit Gabel im Freien sind damit 12 bis 23 kg realistisch – eine Packung mit 15 kg oder ein Sack mit 25 kg. In einer Strahlkabine mit Rückführung läuft das Korn mehrfach um; dort reicht eine Packung mit 5 oder 10 kg für mehrere Rahmen. Wer zwei Körnungen vergleichen will, bestellt 5 kg 0,1–0,4 mm und 10 kg 0,2–0,5 mm zusammen – die zweite Packung kostet 30 % weniger.
Vom blanken Rahmen zum neuen Finish
Gestrahlter Stahl bekommt in feuchter Luft innerhalb von Stunden Flugrost. Deshalb am selben Tag weiter: abblasen, auch in den Rohren, entfetten, nur mit Handschuhen anfassen. Geht der Rahmen zum Pulverbeschichter, bleibt er ungeölt und wird innerhalb weniger Tage abgegeben; der Beschichter will in der Regel Reinheitsgrad Sa 2½ nach DIN EN ISO 8501-1 und nimmt die Abdeckungen für Gewinde und Lagersitze oft selbst vor. Wird nass lackiert, kommt am selben Tag eine 2K-Epoxid-Grundierung darauf, danach Füller, Basislack und Klarlack. Innen bekommen die Rohre nach dem Lackieren Hohlraumwachs über die Entlüftungsbohrungen und das Sitzrohr. Gewinde werden vor der Montage nachgeschnitten, wenn Pulver oder Lack hineingeraten ist.
Selbst strahlen, Pulverbeschichter oder Rahmenbauer
Selbst strahlen lohnt sich, wenn Kompressor und Kabine oder ein geschützter Platz im Freien vorhanden sind und der Rahmen anschließend selbst lackiert wird. Viele Pulverbeschichter strahlen selbst und übernehmen dann auch die Haftung für den Aufbau – wer selbst vorbereitet, klärt vorher, ob fremdgestrahlte Rahmen angenommen werden. Für wertvolle Klassiker mit Chrom-Muffen, Lugs oder originalen Schriftzügen ist ein Rahmenbauer oder Restaurator die bessere Adresse, denn Chrom wird beim Strahlen zerstört und muss vorher abgeklebt oder später neu verchromt werden. Für Atemschutz gilt auch zu Hause: Die DGUV Regel 100-500 (Kapitel 2.24, Abschnitt 3.3.1) schreibt ihn für Strahlarbeiten vor, alte Lacke können Blei enthalten.