Schutzausruestung beim Sandstrahlen – PSA-Anforderungen nach TRGS 559
Beim Sandstrahlen ist persoenliche Schutzausruestung (PSA) Pflicht. Die TRGS 559 (Technische Regeln fuer Gefahrstoffe – Mineralischer Staub) regelt den Arbeitsschutz bei Taetigkeiten mit mineralischem Staub in Deutschland. Die Mindestausstattung umfasst Atemschutz (Strahlhelm mit Frischluftzufuhr oder Atemschutzmaske), Schutzkleidung (Strahlanzug), Handschuhe, Gehoerschutz und Sicherheitsschuhe.
Welche Gesetze regeln die Schutzausruestung beim Sandstrahlen?
Die TRGS 559 „Mineralischer Staub“ (veroeffentlicht im GMBl 2020 S. 306–319, herausgegeben von der Bundesanstalt fuer Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, BAuA) legt Schutzmaassnahmen fuer Taetigkeiten fest, bei denen mineralischer Staub entsteht – dazu gehoert auch das Strahlen mit mineralischen Strahlgutn wie Kupferschlacke.
Ergaenzend gelten:
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): Grundlegende Pflichten des Arbeitgebers zum Schutz der Beschaeftigten
- Gefahrstoffverordnung (GefStoffV): Regelt den Umgang mit Gefahrstoffen am Arbeitsplatz
- PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV): Regelt Bereitstellung, Pflege und Benutzung von persoenlicher Schutzausruestung
- DGUV Regeln und Informationen: Konkrete Handlungshilfen der Berufsgenossenschaften fuer verschiedene Branchen
Hinweis: Dieser Ratgeber bietet einen allgemeinen Ueberblick ueber PSA-Anforderungen beim Sandstrahlen. Er ersetzt keine Gefaehrdungsbeurteilung fuer den konkreten Arbeitsplatz. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, eine Gefaehrdungsbeurteilung durchzufuehren und die notwendige PSA daraus abzuleiten.
Welchen Atemschutz brauche ich beim Sandstrahlen?
Beim Strahlen entsteht feiner Staub, der eingeatmet werden kann und die Lunge schaedigen kann. Dies gilt auch fuer Kupferschlacke, die zwar einen deutlich geringeren Gehalt an freiem Siliziumdioxid hat als Quarzsand (unter 1 % gegenueber ueber 90 %), aber dennoch mineralischen Feinstaub erzeugt.
Strahlhelm mit Frischluftzufuhr
Fuer Strahlarbeiten im Freien und in begehbaren Strahlraeumen ist ein Strahlhelm gemaess DIN EN 271 (Atemschutzgeraete – Druckluft-Schlauchgeraete mit Haube) die Standardausstattung. Der Helm schuetzt gleichzeitig Kopf, Gesicht und Atemwege.
Merkmale eines Strahlhelms:
- Integrierter Aufprallschutz gegen zurueckprallende Strahlgutkoerner
- Frischluftzufuhr ueber Druckluftschlauch – der Helm wird mit gefilterter, oelfreier Atemluft versorgt
- Sichtscheibe mit Abreissfolien (austauschbar bei Eintrubung)
- Kragen oder Cape zum Schutz von Hals und Schultern
Atemluftaufbereitung
Die dem Strahlhelm zugefuehrte Atemluft muss gemaess DIN EN 12021 (Atemluft fuer Leichttauchgeraete und Atemschutzgeraete) aufbereitet sein. Zwischen Kompressor und Helm ist ein Atemluftfilter erforderlich, der Oel, Wasser und Partikel aus der Druckluft entfernt.
Alternative: Filtrierende Atemschutzmasken
Fuer kurzzeitige Arbeiten mit geringer Staubbelastung (z. B. Nacharbeiten, Reinigung) koennen filtrierende Halbmasken der Schutzklasse FFP2 oder FFP3 gemaess DIN EN 149 eingesetzt werden. Fuer das eigentliche Strahlen mit hohem Staubaufkommen sind sie jedoch nicht ausreichend – hier ist ein Strahlhelm mit Frischluftzufuhr erforderlich.
Welche Schutzkleidung trage ich beim Sandstrahlen?
Der Strahlanzug schuetzt den gesamten Koerper vor zurueckprallendem Strahlmittel, Staub und abgetragenen Partikeln. Strahlanzuege bestehen typischerweise aus:
- Schweres Gewebe oder Leder: Schuetzt gegen die kinetische Energie der zurueckprallenden Koerner
- Einteilige Ausfuehrung (Overall): Verhindert das Eindringen von Staub zwischen Jacke und Hose
- Elastische Buendchen an Handgelenken und Knoecheln: Verhindern Staubeintritt
- Anschlussstellen fuer Handschuhe und Stiefel: Lueckenloser Uebergang zu den weiteren PSA-Komponenten
Der Strahlanzug sollte regelmaessig auf Verschleiss und Beschaedigungen geprueft werden. Durchgescheuerte Stellen bieten keinen ausreichenden Schutz mehr.
Welche Handschuhe brauche ich beim Sandstrahlen?
Die Haende sind beim Strahlen besonders exponiert, da sie die Strahlpistole fuehren und dem Strahlmittelstrom am naechsten sind. Strahlhandschuhe muessen:
- Widerstandsfaehig gegen zurueckprallende Koerner sein (Kupferschlacke hat eine Mohs-Haerte von 6–7)
- Ausreichend Fingerfertigkeit zum Fuehren der Strahlpistole bieten
- Ueber die Strahlanzug-Manschetten reichen (kein Spalt zwischen Handschuh und Aermel)
- Materialien: Leder oder verstaerktes Gummi sind gaengig
Welchen Gehoerschutz brauche ich beim Sandstrahlen?
Strahlarbeiten erzeugen je nach Arbeitsdruck, Duesengroesse und Umgebung erheblichen Laerm. Bereits ab einem Tageslaermpegel von 80 dB(A) muss der Arbeitgeber gemaess Laerm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LarmVibrationsArbSchV) Gehoerschutz bereitstellen; ab 85 dB(A) ist das Tragen Pflicht.
Gehoerschutz-Optionen:
- Kapselgehoerschuetzer: Bieten hohe Daemmwerte und lassen sich ueber dem Strahlhelm oder darunter tragen
- Gehoerschutzstopsel: Unter dem Strahlhelm tragbar, muessen korrekt eingesetzt werden
- Integrierter Gehoerschutz im Strahlhelm: Einige Strahlhelme bieten integrierten Laermschutz
Welche Sicherheitsschuhe brauche ich beim Sandstrahlen?
Beim Strahlen im Stehen sind Sicherheitsschuhe oder -stiefel (mindestens S1, empfohlen S3 gemaess DIN EN ISO 20345) erforderlich. Sie schuetzen vor:
- Herabfallenden Gegenstaenden (Werkstuecke, Ausruestung)
- Zurueckprallendem Strahlmittel (insbesondere am Rist und Knoechel)
- Durchtreten von spitzen Gegenstaenden auf dem Boden
Bei Nassstrahlverfahren sind wasserdichte Stiefel erforderlich.
Welche PSA-Mindestausstattung brauche ich je nach Strahlsituation?
| Arbeitssituation | Atemschutz | Koerperschutz | Weiteres |
|---|---|---|---|
| Strahlen im Freien (Druckstrahlgeraet) | Strahlhelm mit Frischluft (DIN EN 271) | Strahlanzug + Handschuhe + Stiefel | Gehoerschutz |
| Begehbarer Strahlraum | Strahlhelm mit Frischluft (DIN EN 271) | Strahlanzug + Handschuhe + Stiefel | Gehoerschutz |
| Tisch-/Standkabine (Bediener ausserhalb) | Staubschutz beim Oeffnen (FFP2/3) | Arbeitskleidung, Handschuhe beim Entleeren | Gehoerschutz empfohlen |
| Nacharbeiten / Reinigung | FFP2/3 je nach Staubbelastung | Arbeitskleidung, Handschuhe | Schutzbrille |
Diese Tabelle dient als Orientierung. Die konkrete PSA-Auswahl muss auf Basis einer Gefaehrdungsbeurteilung fuer den jeweiligen Arbeitsplatz erfolgen.
Warum ist Kupferschlacke sicherer als Quarzsand?
Kupferschlacke (auch Kupfersilikatschlacke (Schmelzkammerschlacke)) als Strahlmittel wurde in Deutschland unter anderem deshalb zum Standard, weil Quarzsand als Strahlmittel verboten ist. Der Grund: Quarzsand enthaelt ueber 90 % kristallines Siliziumdioxid (SiO&sub2;), das beim Zerplatzen der Koerner als lungengaengiger Feinstaub freigesetzt wird und Silikose verursachen kann.
Kupferschlacke gemaess DIN EN ISO 11126-3 enthaelt weniger als 1 % freies Siliziumdioxid. Das Silikose-Risiko ist damit im Vergleich zu Quarzsand drastisch reduziert. Dennoch ist Atemschutz beim Strahlen mit Kupferschlacke weiterhin vorgeschrieben, da auch anderer mineralischer Feinstaub die Atemwege belasten kann.
Wie pflege und warte ich meine Schutzausruestung?
- Strahlhelm: Sichtscheibe / Abreissfolien regelmaessig tauschen; Luftfilter gemaess Herstellerangaben wechseln; Dichtungen auf Verschleiss pruefen
- Strahlanzug: Nach jedem Einsatz auf Durchscheuerstellen pruefen; bei Beschaedigungen sofort ersetzen
- Handschuhe: Auf Risse und duenne Stellen achten; beschaedigte Handschuhe bieten keinen Schutz
- Atemluftfilter: Filterwechselintervalle einhalten; Filterpatronen nicht ueber die Kapazitaet hinaus verwenden
- Gehoerschutz: Kapselgehoerschuetzer auf einwandfreien Sitz der Polster pruefen; Stoessel regelmaessig austauschen
Weitergehende Informationen
- Sandstrahlgeraet Ratgeber – Auswahlhilfe fuer das richtige Geraet
- Strahlkabine einrichten – Anforderungen an Kabine und Absaugung
- Sandstrahlen Anleitung – Schritt-fuer-Schritt-Anleitung
- Kompressor fuer Sandstrahlen – Leistung und Auswahl
- Kupferschlacke entsorgen – Entsorgungsvorschriften nach dem Strahlen
Haeufige Irrtuemer ueber Schutzausruestung beim Strahlen
Irrtum 1: Eine einfache Staubmaske reicht beim Sandstrahlen.
Die TRGS 559 schreibt fremdbeluefteten Atemschutz oder Filterklasse P3 vor.
Irrtum 2: Bei Kupferschlacke braucht man weniger Schutzausruestung.
Obwohl silikosefrei, bleibt Feinstaub gesundheitsschaedlich. PSA gilt in vollem Umfang.
Irrtum 3: Im Freien ist weniger Schutzausruestung noetig.
PSA-Pflicht gilt bei Freistrahlarbeiten genauso wie in geschlossenen Raeumen.
Haeufig gestellte Fragen zur Schutzausruestung
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