Warum ist Quarzsand als Strahlmittel verboten?
Der medizinische Hintergrund — Silikose
Beim Aufprall von Quarzkörnern zerbrechen die Körner und setzen lungengängigen Feinstaub frei (Partikelgröße < 5 µm). Dieser Staub besteht aus kristallinem Siliziumdioxid (alpha-Quarz). Die Folge: Silikose — eine fortschreitende Fibrose des Lungengewebes.
Silikose ist:
• Irreversibel — geschädigtes Lungengewebe regeneriert sich nicht
• Fortschreitend — auch nach Ende der Exposition
• Tödlich in fortgeschrittenen Stadien
• Als Berufskrankheit anerkannt (BK 4101)
Die rechtliche Grundlage — TRGS 559
• Arbeitsplatzgrenzwert für Quarzfeinstaub: 0,05 mg/m³
• Strahlmittel mit > 2 % freiem SiO2: verboten in Freistrahlverfahren
• Quarzsand enthält typisch > 90 % SiO2
• Ergänzend: DGUV Regel 100-500, GefStoffV, BImSchG
Gilt das Verbot für geschlossene Strahlkabinen?
Theoretisch ja, wenn Grenzwerte eingehalten werden. Praktisch unwirtschaftlich — HEPA-Filter Klasse H14 erforderlich. Die meisten Betriebe sind auf quarzsandfreie Strahlmittel umgestiegen.
Alternativen zu Quarzsand
| Strahlmittel | Härte | Preis/kg | Wiederverwendbar | Am besten für |
|---|---|---|---|---|
| Kupferschlacke | 6–7 | 0,80 € | Nein | Stahl entrosten, Universaleinsatz |
| Korund (Al2O3) | 9 | 1,50–3,00 € | Ja (5–10x) | Präzisionsstrahlen, Strahlkabinen |
| Glasperlen | 5–6 | 1,00–2,00 € | Ja (3–5x) | Aluminium, Edelstahl |
| Stahlgrit | 7–8 | 0,80–1,50 € | Ja (100–500x) | Schleuderradanlagen |
| Nussschalengranulat | 2,5–3 | 1,50–3,00 € | Nein | Empfindliche Substrate |
| Sodastrahlen | 2,5 | 2,00–4,00 € | Nein | Empfindliche Oberflächen |
Kupferschlacke als Quarzsand-Ersatz
Vergleichbare Abtragsleistung
Quarzsand: Mohshärte 7. Kupferschlacke: 6–7. Scharfkantige Bruchflächen erzeugen ähnlich aggressiven Abtrag. Die Umstellung ist verlustfrei möglich — gleiche Düse, gleicher Druck.
Geringer Preis
0,80 €/kg liegt im selben Preisbereich wie der ehemals verwendete Quarzsand. Korund und Glasperlen kosten das Doppelte bis Vierfache.
Kein Silikoserisiko
Weniger als 1 % freies kristallines Silizium. Deutlich unter dem TRGS-559-Grenzwert von 2 %. Atemschutz bleibt Pflicht (Mineralstaub), aber kein Quarzfeinstaub.
Häufig gestellte Fragen
Nein. Das Verbot gilt in Deutschland und einigen EU-Ländern. In den USA und vielen asiatischen Ländern wird Quarzsand weiterhin eingesetzt.
Quarzsand als Material ist nicht verboten — nur seine Verwendung als Strahlmittel in offenen Druckluftverfahren. Er wird weiterhin in Gießereien und Filtersystemen eingesetzt.
Ja. Jedes Strahlmittel erzeugt Feinstaub. P3-Maske oder Frischluft-Strahlhelm sind bei allen Verfahren Pflicht.
Gewerblich: Bußgeld nach GefStoffV, Betriebsuntersagung, Haftung bei Gesundheitsschäden. Privat: Schadensersatzpflicht bei Schäden Dritter. Versicherungen können Leistung verweigern.
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