Bleche strahlen mit Kupferschlacke — Dünnblech und Stahlblech entrosten ohne Verzug
Das Strahlen von Blechen gehört zu den Aufgaben, bei denen die Wahl des Strahlmittels und der Parameter über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Kupferschlacke eignet sich hervorragend für die Entrostung und Entzunderung von Stahlblechen aller Stärken — von 0,8-mm-Karosserieblech bis zum 30-mm-Grobblech. Der Schlüssel liegt in der richtigen Kombination aus Fraktionsgröße, Strahldruck und Auftreffwinkel, um auch bei dünnen Blechen Verzug sicher zu vermeiden.
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Das Hauptproblem: Thermischer und mechanischer Verzug
Wenn Bleche sich beim Strahlen verziehen, liegt das an ungleichmäßig eingebrachten Druckeigenspannungen. Das Strahlmittel trifft eine Seite des Blechs und staucht die Oberfläche — das Blech wölbt sich zur unbestrahlten Seite. Dieses Phänomen tritt verstärkt auf bei:
- Blechstärken unter 3 mm
- Zu hohem Strahldruck (über 5 bar bei Dünnblech)
- Zu grober Körnung (über 0,5 mm bei Blechen unter 2 mm)
- Einseitigem Strahlen ohne Gegenstrahlung
Kupferschlacke bietet den Vorteil, dass in der extra feinen Fraktion (0,1–0,4 mm) bereits bei niedrigem Druck eine vollständige Entrostung erreicht wird — mit deutlich geringerem Verzugsrisiko als bei schwereren metallischen Strahlmitteln.
Strahlparameter nach Blechstärke
| Blechstärke | Fraktion | Strahldruck | Düse | Abstand | Rautiefe Rz |
|---|---|---|---|---|---|
| 0,8–1,5 mm | 0,1–0,4 mm | 2–3 bar | 4–6 mm | 150–250 mm | 15–30 µm |
| 1,5–3,0 mm | 0,2–0,5 mm | 3–4 bar | 6–8 mm | 150–300 mm | 25–45 µm |
| 3,0–8,0 mm | 0,5–1,0 mm | 5–6 bar | 8–10 mm | 200–350 mm | 45–70 µm |
| 8,0–20 mm | 0,5–1,4 mm | 6–7 bar | 10–12 mm | 250–400 mm | 55–90 µm |
| > 20 mm | 0,5–2,0 mm | 7–8 bar | 10–12 mm | 300–450 mm | 65–110 µm |
Verzugsfreies Strahlen: Die Technik
Beidseitiges Strahlen
Bei freien Blechtafeln über 1 m² strahlen Sie grundsätzlich beide Seiten. Bearbeiten Sie erst die eine Blechseite vollständig, dann wenden Sie das Blech und strahlen die Gegenüber. Die eingebrachten Druckeigenspannungen gleichen sich weitgehend aus — der Restverzug ist minimal.
Aufspannung während des Strahlens
Fixieren Sie dünne Bleche (unter 3 mm) auf einer ebenen Unterlage — Magnetspannplatten oder Vakuumspanntische eignen sich ideal. Die Zwangslage verhindert das Aufwölben während der Bearbeitung. Nach dem Lösen federt das Blech nur geringfügig zurück.
Gleichmäßige Strahlführung
Führen Sie die Düse in gleichmäßigen, überlappenden Bahnen über das Blech. Vermeiden Sie es, auf einer Stelle zu verharren — lokale Überbearbeitung erzeugt lokale Spannungsspitzen und damit Beulen.
Typische Einsatzszenarien
Blechzuschnitte vor der Weiterverarbeitung: Walzblank gelieferte Stahlbleche werden durch Lagerung und Transport korrodiert. Vor dem Zuschnitt, Abkanten oder Schweißen entfernen Sie Flugrost und Walzzunder mit der passenden Kupferschlacke-Fraktion.
Blechverkleidungen im Maschinen- und Anlagenbau: Gehäuseverkleidungen aus 1,5–3 mm Stahlblech werden vor der Pulverbeschichtung gestrahlt. Die feine Fraktion (0,2–0,5 mm) erzeugt die ideale Rautiefe für Pulverlacke (Rz 25–45 µm).
Entzundern von warmgewalztem Blech: Warmband besitzt eine Zunderschicht (Eisenoxid), die vor der Kaltumformung oder Beschichtung entfernt werden muss. Kupferschlacke der mittleren Fraktion bei 5–6 bar entfernt Walzzunder effektiv in einem Durchgang.
Praxistipps für das Blechstrahlen
- Testfläche am Blechrand anlegen: Beginnen Sie stets am Rand des Blechs — falls der gewählte Druck zu hoch ist, bemerken Sie den Verzug sofort und können korrigieren, bevor die gesamte Fläche bearbeitet ist.
- Blech nach dem Strahlen plan richten: Sollte sich trotz korrekter Parameter leichter Verzug einstellen, lässt sich dünnes Stahlblech mit einer Richtwalze oder vorsichtigem Hämmern auf dem Richttisch wieder plan bringen.
- Großbleche abschnittsweise bearbeiten: Bleche über 2 m Länge teilen Sie gedanklich in 50-cm-Abschnitte und bearbeiten diese nacheinander. So behalten Sie die Übersicht über den Strahlfortschritt und vermeiden Doppelbearbeitung.
- Verzinktes Blech vorab prüfen: Falls die Zinkschicht erhalten bleiben soll, ist Strahlen nicht geeignet. Kupferschlacke entfernt Zinkbeschichtungen restlos. Wenn Sie nur Rost auf verzinktem Blech entfernen möchten, nutzen Sie alternativ Glasperlen bei niedrigem Druck.
- Oberflächenkonservierung sofort auftragen: Frisch gestrahltes Dünnblech rostet aufgrund des hohen Oberflächen-Volumen-Verhältnisses besonders schnell. Grundieren oder ölen Sie innerhalb von 30 Minuten.
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